Jesuitica e.V.
Giebel der Wallfahrtskirche in Dettelbach.

Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn und die Rekatholisierung Frankens

Bericht über die Tagung in Würzburg 14.-15.7.2017 / Von Claudia Wiener

Die Würzburger Tagung im Juli 2017 nahm die lange Regierungsperiode des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (1573-1617) und seine Maßnahmen zur Rekatholisierung des Würzburger Hochstifts zum Anlass, mit den Tendenzen der Echterschen Politik vertraut zu machen, die Beziehung zu den Jesuiten und die kulturgeschichtliche Wirkung auf Unterfranken an aussagekräftigen Beispielen zu veranschaulichen.

Thomas Gehbald führte in aktuelle Forschungstendenzen zu Echter ein, dessen Politik im Vergleich mit anderen Territorien des Fränkischen Reichskreises und mit Vorgängern und Nachfolgern nun ausgewogener bewertet wird: Eindrücklich konnte Thomas Gehbald die Erfolge von langfristigen Ordnungsmaßnahmen demonstrieren, angefangen von der Stärkung der Disziplin innerhalb der Geistlichkeit mit der Durchsetzung des Zölibats und der soliden Ausbildung der Priester bis zum systematischen Aufbau der Finanzverwaltung, die Echters politische Macht innerhalb des Hochstifts und nach außen erheblich stärkte - gerade im Kontrast zum hochverschuldeten Bistum Bamberg. Unstreitig verfolgten Echters innenpolitische Maßnahmen die Tendenz, eine konfessionell homogene Untertanenschaft im Hochstift zu erreichen. Dass das spektakuläre Thema der Hexenverfolgung unter Echter unterdessen angemessen untersucht wird, zeigte Gehbald an der kritischen Demontage eines wirkmächtigen Forschungsbeitrags, der aus der Prozesswelle in Gerolzhofen in den Jahren 1616-1619 auf eine systematische Hexenverfolgung unter Echter geschlossen hatte. Ein von oben geregeltes Vorgehen ist nicht nachzuweisen, zwischen 1573 und 1600 gibt es keine Todesurteile. Gehbald wies bereits auf die Echtersche Baupolitik hin, deren typische Ziele anhand der Bauinschriften nachzuvollziehen sind; dieses Thema sollte anschließend Barbara Schock-Werner noch vertiefen.

Mit der Einrichtung der Universität einher ging Echters Unterstützung der Jesuiten. Niccolo Steiner verfolgte in seinem Beitrag "Jesuiten im Dienst Julius Echters" den Einsatz der Jesuiten an der Universität, dem Priesterseminar und in der Volksmission. Schon Echters Vorgänger hatten sich dabei engagiert; Friedrich von Wirsberg hatte die Jesuiten in St. Agnes heimisch gemacht und für sein Gymnasium als Lehrer eingesetzt. Ihr Einfluss stieg mit Aufnahme des Universitätsbetriebs, der Akademieeröffnung 1582 und der Einrichtung des Priesterseminars, dessen Ordnung von 1608 spürbar den Regens stärkte. Der Widerstand des Domkapitels erklärt sich u.a. auch aus der Untergrabung des Pfründenwesens mit dem Einsatz der Jesuiten; die Domkapitulare wurden langfristig durch die Marianische Kongregation auf ein höheres Niveau in der religiösen und moralischen Lebensführung verpflichtet oder aber aus den Ämtern verdrängt. Die Volksmission wurde als wirksames Mittel zur Rekatholisierung erachtet, so dass Mitglieder der Gesellschaft Jesu monatelang und manchmal ein ganzes Jahr in der Volksmission tätig waren.

Claudia von Collani führte mit einem anschaulichen Portrait des Nicolas Trigault (1577-1628) in die Tendenzen der jesuitischen Chinamission nach den grundlegenden Anfängen durch Matteo Ricci (1552-1610) ein: Die Mission war erfolgreich, weil sie von oben, d.h. indirekt durch intellektuellen und wissenschaftlichen Austausch innerhalb der Oberschicht betrieben wurde und dabei alle heimischen Bräuche tolerierte, die mit dem Christentum nicht in Konflikt standen: So feierte der Priester die Messe in chinesischer Sprache mit der Zeremonialmütze des Mandarin. Umgekehrt warb Trigault für ein Verständnis der chinesischen Kultur in Europa, indem er seine Besuche an den Fürstenhöfen Europas zusammen mit Johannes Schreck u.a. in der Tracht eines chinesischen Mandarins absolvierte und dabei auch im Jahr 1616 zu Gast bei Julius Echter und im Herzogtum Würzburg war.

Die Jahrzehnte von Echters Pontifikat prägten das Aussehen von Unterfranken durch die über 400 "Echterkirchen". Barbara Schock-Werner führte in die strenge bischöfliche Kontrolle des Baus und die Art der Finanzierung in den Gemeinden ein. Anschließend schulte sie auf faszinierende Weise das Auge der Teilnehmer durch Beispielreihen aus typischen Bauten, so dass schließlich einerseits eine Art Idealtypus der "Echterkirche" konstruiert werden, andererseits aber die Rücksichtnahme auf vorhandene architektonische Strukturen und qualitativ hochwertige Vorgängerbauten die Verbundenheit mit der Tradition ("Echter-Gotik"!) von Fall zu Fall differenziert beobachtet werden kann. Wie die Diskussion ergab, entspricht die fränkische Stillage derjenigen nachgotischer Jesuitenbauten im Rheinland, die allerdings erst gegen Ende von Echters Wirkungszeit oder sogar noch später errichtet wurden. Beide Phänomene verbindet anscheinend ein Bekenntnis zu historischer Kontinuität, auch wenn gotische Bauformen mit solchen der Renaissance oder des Frühbarock kombiniert wurden.

Jaroslaw Nowaszczuk präsentierte die Ergebnisse seiner Auswertung der Universitätsmatrikel von Würzburg, die zwischen 1592 und 1620 immerhin 150 polnische Studenten verzeichnet, um die Attraktivität der jungen Universität für polnische Studenten gleich nach Ingolstadt und Dillingen zu erklären. Die Universitätsbesuche stehen nicht selten in Verbindung mit der Kavalierstour junger Adliger, die sich selbst nicht immer immatrikulierten, aber in deren Gefolge und Diensten bildungswillige Studenten die Chance auf das Studium wahrnahmen. Auch der jesuitische Einfluss bei der Entsendung von Studenten nach Würzburg wird im Bereich der Theologie spürbar. Zudem kann an der Belegung eine Bevorzugung von Studienfächern erkannt werden, deren Kenntnisse für eine spätere Laufbahn in Politik und Verwaltung wichtig werden.

Die Geschichte einer der beliebtesten "Echterkirchen", der Wallfahrtskirche "Maria im Sand" von Dettelbach, führten der Heimatpfleger Thomas Bauer und der Latinist Hans-Ludwig Oertel anhand der literarischen Quellen vor. Neben der Schrift des Trithemius, der in De miraculis Beatissimae Mariae 1511 die Wunder des Wallfahrtsorts schon zusammengestellt hatte, stand die Auswertung eines besonderen literarischen Dokuments im Zentrum, das einen der gut ausgebildeten Echter-Priester zum Autor hat: die Topographia Tettelbacensis des Sigismund Wermerskircher, der 1602 als Priester von Stadtschwarzach das über 400 Verse umfassende Hexametergedicht auf die Dettelbacher Wallfahrt verfasste. Die anspruchsvolle literarische Gestaltung vermittelte Hans-Ludwig Oertel anhand der intertextuellen Bezüge und der emotional berührenden Sprache an exemplarischen Beispielen.

Anschließend führte Ulrich Schlegelmilchs Interpretation einer intellektuell hochambitionierten Gedenkrede auf den verstorbenen Fürstbischof in die Tiefen der geistlichen Metaphorik des jesuitischen Theologen Maximilian Sandaeus ein. Die Rede darf nicht als Leichenpredigt missverstanden werden, sondern kann als typisches Werk des Verfassers einer Pro theologia mystica clavis gelesen werden; die Commendatio academica de donario cordis richtet sich an ein akademisches Publikum, das die vielschichtige mystische Ausdeutung der "fürstlichen Herzensgabe", also die Beisetzung des Herzens in der Universitätskirche, in all ihren biblischen und stoischen Bezügen nachvollziehen kann.

Katrin Kaldewey initiierte mit ihrem Beitrag zum Graduale Herbipolense eine Aussprache über Echters Tendenzen der liturgischen Gestaltung des Gottesdienstes nach Maßgaben des Tridentinums und unter Berücksichtigung Würzburger Traditionen.

Die Projektberichte unserer Mitglieder entstammten drei verschiedenen Fachgebieten: der Ethnomusikologie (Lisa Herrmann), Sinologie und Kunstgeschichte. Lisa Herrmann stellte mit ihrem Dissertationsprojekt Musik als "Werkzeug" deutschsprachiger Jesuiten in Südindien bis 1759 mitreißend ihre Ergebnisse zu dieser Form der interkulturellen Kommunikation vor. Die Aneignung und Instrumentalisierung indigener Musiktraditionen durch die Missionare ist nicht nur von musikgeschichtlichem Interesse, sondern auch für die Geschichte der Pädagogik. Den Umgang jesuitischer Forscher mit der 1625 entdeckten sino-syrischen Nestorianerstele als Dokument der Akkommodation an die chinesische Kultur und damit auch einer Möglichkeit der Reflexion der eigenen China-Mission stellte Elena Luckhardt ins Zentrum ihres Beitrags. Nina Niedermeier, die ihre Dissertation über die vera effigies, den Authentizitätsanspruch in der Darstellung neuzeitlicher Seliger und Heiliger, schon fast zum Abschluss gebracht hat, führte anschaulich in ihr Projekt anhand von Fragen zur Genese und zu Varianten früher Jesuitenporträts in Rom und zu den Strategien ihrer Verbreitung ein.

Viele Themen der Beiträge konnten durch den Ausstellungsbesuch "Julius Echter - Patron der Künste" im Martin von Wagner-Museum in der Residenz fortgeführt und vertieft werden, denn der Ausstellungskurator Damian Dombrowski selbst nahm sich die Zeit, unsere Gruppe mit all seiner Sachkenntnis zu führen, und gab nebenbei auch anekdotisch einen lebhaften Einblick in überraschende Neufunde und Schwierigkeiten, die bei der Ausstellungsvorbereitung zu überwinden waren.

letzte Aktualisierung am 03.10.2017