Deutsche Provinz der Jesuiten
Die päpstliche Wiedererrichtungs-Bulle wird verlesen (Kupferstich von Luigi Cunego). © SJ-Bild

1814 - 2014: Wiedererrichtung der Gesellschaft Jesu vor 200 Jahren

2014 hat der Jesuitenorden seine Neugründung vor 200 Jahren gefeiert: 1814, nur 41 Jahre nach der Aufhebung, wurde die Gesellschaft Jesu von Papst Pius VII. mit der päpstlichen Bulle "Sollicitudo omnium ecclesiarum" wieder errichtet. Zur Eröffnung des Jubiläumsjahres am 3. Januar 2014 hat Papst Franziskus in der Kirche Il Gesù eine Messe gefeiert, in der für die Heiligsprechung Peter Fabers gedankt wurde. Mit einer feierlichen Vesper in Il Gesù hat Papst Franziskus das Jubiläumsjahr am 27. September 2014, dem Datum der Approbation im Jahr 1540, beendet.

Die Zeit nach der Aufhebung 1773

Rückseite der päpstlichen Gedenkmedaille zur Aufhebung der Gesellschaft Jesu, 1773. © SJ-Bild

Als Beichtväter und Berater an Fürstenhöfen, als Lehrer an Schulen und Universitäten, hatten Jesuiten bis zur Aufhebung 1773 erfolgreich gewirkt. Vor allem im Bildungswesen war nun eine große Lücke entstanden, so dass bald wieder Ex-Jesuiten für den Schuldienst herangezogen wurden. Das Bewusstsein, einen historischen Fehler begangen zu haben, wuchs ständig. Und so gehörte zu den Maßnahmen Papst Pius VII. als Neubegründer der kirchlichen Ordnung auch die Wiederherstellung der Gesellschaft Jesu. Während der Orden in Weißrussland zuerst mit stillschweigender und dann mit ausdrücklicher Zustimmung der Päpste Pius VI. und Pius VII. unter einem gewählten Generalvikar weiter bestand, arbeiteten im westlichen Europa die "Gesellschaft Jesu vom Heiligsten Herzen Jesu" und die "Gesellschaft vom Glauben Jesu", 1799 unter der Leitung von Nicola Paccanari zur "Societas fidei Jesu" vereinigt, auf die Wiederherstellung des unterdrückten Ordens hin. 

Neuanfang in Sitten in der Schweiz

Ein lateinisches Exemplar und eine deutsche Ausgabe der Bulle Pius’ VII. "Sollicitudo omnium Ecclesiarum" vom 7. August 1814 im Provinzarchiv (ADPSJ, Abt. 201, Nr. 2160). © SJ-Bild

1801 erfogte die offene Anerkennung des erhalten gebliebenen Zweiges des Ordens in Weißrussland durch das Breve "Catholicae Fidei". Dann wurde vorsichtig der Orden in Italien wieder hergestellt  und ein Provinzial ernannt, José Pignatelli, der damals Novizenmeister in einem Noviziat war, das Pius VI. in aller Stille autorisiert hatte und das 1799 in Colorno eingerichtet worden war. Darauf folgte die Wiederinstallation in den beiden Sizilien. Auf Weisung Paccaris übernahmen 1805 zehn Miglieder seiner Gemeinschaft unter Leitung von Sineo della Torre das ehemalige Jesuitenkolleg in Sitten in der Schweiz. Die kleine Gruppe erhielt auf ihr wiederholtes Gesuch hin 1810 von General Tadeusz Brzozowski die Aufnahme in die Gesellschaft Jesu und legte nach dem Noviziat 1812 die Ersten Gelübde ab. In dieser Gemeinschaft von vorläufig noch geheimen Jesuiten liegt der Ursprung der neuen Gesellschaft Jesu in Deutschland. Dann begann der Orden in Frankreich, Belgien und den Niederlanden neue Wurzeln zu schlagen.

Das Generalat unter P. Roothaan

Am 11. September 1826 wurde die "Oberdeutsche Provinz" errichtet (Titelseite des Katalogs von 1827). © SJ-Bild

Kurz nach der Rückkehr aus seinem Exil in Fontainebleau erklärte Papst Pius VII. mit der Bulle "Sollicitudo omnium ecclesiarum" die unbeschränkte Bestätigung der Gesellschaft Jesu in der alten Form und für die ganze Welt. Die Bulle wurde am 31. Juli, dem Fest des heiligen Ignatius veröffentlicht; rechtskräftig wurde sie dann acht Tage später, am 7. August 1814.

General Brzozowski, ein gebürtiger Ermländer, war 1765 in die polnische Provinz eingetreten, wurde 1773 Provinzial von Weißrussland und 1805 General des Ordens. Als er 1820 starb, brauchte die neue Gesellschaft einen General mit Weisheit und Festigkeit: Pater Joannes Philippus Roothaan. Er war 1804 in den Jesuitenorden eingetreten und 1812 zum Priester geweiht worden. Als am 29. Januar 1829 der Ordensgeneral Aloisius Fortis starb, wurde Joannes Roothaan zum 21. General der Gesellschaft Jesu gewählt. Er hatte das Amt inne bis zu seinem Tod am 8. Mai 1853. Roothaans wichtigste Aufgabe in seinem neuen Amt war die Stabilisierung des Ordens. Er richtete das Apostolat auf die Missionsländer, betonte die Gründlichkeit der Studien und erkannte in den Exerzitien die Herzmitte aller Arbeiten des Ordens. Da Roothaan in weiten Teilen der Bevölkerung den Ruf eines Heiligen innehatte, wurde 1927 seine Seligsprechung eingeleitet.

Im Jahre 1814 zählte die Gesellschaft etwa 600 Mitglieder. Nur langsam wuchs ihre Zahl. 1864 waren es etwa 8.000, 1914 etwa 17.000 und im Jubeljahr 1964 etwa 36.000. Anfang 2013 gab es weltweit 17.287 Jesuiten.

letzte Aktualisierung am 17.02.2016