Jesuitica e.V.

Brixner Schultheater im 18. Jahrhundert: Edition und Übersetzung der neulateinischen Dramen von Joseph Resch

Projektleiter: Prof. Dr. Wolfgang Kofler (Innsbruck)
(2017)

Der Weltgeistliche Joseph Resch (1716-1782) war einer der bedeutendsten Intellektuellen, die im 18. Jahrhundert in Südtirol wirkten. Neben mehreren historiographischen Werken, die besonders aufgrund ihrer vergleichsweise modernen, quellenkritischen Herangehensweise von Bedeutung sind, verfasste er eine Reihe von Theaterstücken, die er zwischen 1745 und 1761 als Präfekt des Hochfürstlichen Gymnasiums Brixen öffentlich aufführen ließ. Die Stücke stehen in der Tradition des katholischen Schuldramas, zumal Einflüsse des zeitgenössischen Jesuitentheaters sind unübersehbar. Die von Resch aufgegriffenen Stoffe sowie die unterschiedlichen dramatischen Formen entsprechen Inhalten und Gestaltungstypen der kontemporären Ordensbühne; die Bandbreite reicht von klassischen Historiendramen über aszetische Spiele bis hin zu sketchhaften Stücken zu den Themen Schule und Bildung. Variabel ist auch die sprachliche Gestaltung: Neben rein lateinischen Stücken finden sich deutsche Spiele bzw. Spiele, in denen beide Sprachen Anwendung finden. Das Oeuvre ist damit ein Zeuge für das Ende der Hegemonie des Lateinischen als Bildungssprache in der Zeit der Aufklärung.

Reschs Dramen haben sich - soweit sich das beurteilen lässt - mit einer Ausnahme vollständig erhalten. 15 Stücke befinden sich heute als Drucke oder Handschriften in der Bibliothek des Priesterseminars Brixen.

Seit August 2016 befasst sich eine Forschergruppe des Instituts für Klassische Philologie der Universität Innsbruck mit der digitalen Aufarbeitung dieses bislang wenig untersuchten Textkorpus. In dem von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol finanzierten Projekt werden bis Ende 2018 sämtliche Dramen online ediert und ins Deutsche übersetzt. Forschungsergebnisse werden im Rahmen von Konferenzen und Aufsätzen veröffentlicht. Eine speziell dem Autor gewidmete Tagung findet am 17. und 18. November 2017 in Brixen statt; ein Tagungsband ist geplant. Außerdem soll eines der Stücke im Rahmen einer Schultheateraufführung am Brixner Gymnasium Vinzentinum wiederum auf die Bühne gebracht werden.

Simon Wirthensohn, Innsbruck
Kontakt: simon.wirthensohn@uibk.ac.at

Bilder des Unsichtbaren – Die verae effigies der Beati moderni im 16. Jahrhundert. Die Authentizität wahrer Bilder am Beispiel Ignatius von Loyola

Nina Niedermeier
Dissertationsprojekt an der Ludwig-Maximilians-Universität München
(begonnen 2013)

Betreuer:
Prof. Dr. Ulrich Pfisterer, München

Die verae effigies potentieller Heiliger in nachtridentinischer Zeit entstanden oftmals im Schwinden ihrer eigenen körperlichen Verfügbarkeit: Tod oder Abwesenheit waren häufig Momente ihrer Bildproduktion, in der sich die veristische Darstellung physiognomischer Details mit deren Nachjustierung anhand kollektiver und persönlicher Erinnerungsbilder verbinden musste.

Im Falle der wohl bedeutsamsten vera effigies des 16. Jahrhunderts, dem wahren Porträt des Ignatius von Loyola, gemalt von Jacopino del Conte (ca. 1515-1598), zeichnet sich diese Konstellation an der besonderen Rolle ab, die dem Künstler als Person in diesem Prozess zukommt. Er zeichnete vor dem Leichnam, doch korrigierte er sein Gemälde anhand des Bildes, das ihm zu Ignatius' Lebzeiten in die Seele eingeprägt wurde. Im Themenkreis der vera effigies des Cinquecento gewinnt die Vorstellung des ins Herz oder in die Seele eingeprägten Bildes spezifische Bedeutung für die Porträtmaler selbst oder aber für diesen Zweck eingesetzte Berater, die versuchen, ihre Erinnerungsbilder verbal zu übermitteln. Eine Aufgabe dieses vorliegenden Forschungsprojektes ist es, den wachsenden Einfluss dieser immateriellen Bilder zur Argumentation von Authentizität der Porträts der Beati moderni nachzuweisen.

Ein weiterer Bereich des Projektes widmet sich Überlegungen zur Funktion der verae effigies. Jacopino del Contes Porträt bewegt sich zwischen den Kategorien des historischen Porträts und der verehrten Ikone. Es ist einerseits Träger eines Erinnerungsbildes und begründet als erstes Bild die offizielle Porträtgalerie der nachfolgenden Generäle. Gleichzeitig trägt es in sich auch den Anspruch der besonderen Verehrung, als 'close-up' nähert es sich dem Darstellungsformat der klassischen Ikone an.

Neben der Bestimmung der Funktion der vera effigies als singuläres 'Original' gilt es ebenso sie als Reproduktionsmedium in den Blick zu nehmen. Die nach dem Tode Ignatius' einsetzende Reproduktion des Gemäldes del Contes in Form von Gemäldekopien ist noch keiner spezifischen kunsthistorischen Untersuchung unterzogen worden. Die daraus folgende Forschungsaufgabe ist es, die überlieferte Objektlage der frühen Reproduktionspraxis – im Bereich Gemälde und Druckgraphik – zu klären und bezüglich ihrer historischen Wertigkeit als authentische Porträts zum originalen Gemälde del Contes ins Verhältnis zu setzen.

Le immagini dell’invisibile. Le verae effigies dei Beati moderni nel Cinquecento: Ignazio di Loyola come esempio di autenticità visualizzata.

Nina Niedermeier
Progetto di ricerca (tesi di dottorato) presso la Ludwig-Maximilians-Università, Monaco di Baviera (incominciato nel 2013)

Relatore:
Prof. Dr. Ulrich Pfisterer, Monaco di Baviera

Le cosiddette “vere immagini” di potenziali santi erano frequentemente elaborate allo svanire della presenza corporale degli stessi. La morte o l’assenza erano spesso i momenti della produzione di siffatte immagini, nelle quali la rappresentazione veristica degli elementi fisiognomici era corretta dal ricordo personale o collettivo del soggetto raffigurato.

Nel caso della più importante vera effigies del Cinquecento – il ritratto dal vero di Ignazio di Loyola, dipinto da Jacopino del Conte (1515-1598) – questa nuova costellazione si caratterizza per il particolare ruolo dell’artista durante il processo di realizzazione. L’autore disegnava infatti dinanzi alla salma, ma rielaborava il dipinto tramite l’immagine mentale ricavata dalla frequentazione del santo quando questo era ancora in vita. Nell’ambito delle verae effigies cinquecentesche l’idea dell’immagine “incisa” nel cuore o nell’anima aveva una notevole importanza per i ritrattisti e i familiari del defunto che comunicavano verbalmente il proprio personale ricordo del parente. La presente ricerca intende dimostrare l’influsso crescente di tali immagini immateriali per proporre una riflessione sull’autenticità dei ritratti.

Un ulteriore ambito del progetto è il problema della funzione della vera effigies. Il ritratto di Jacopino del Conte, ad esempio, è inquadrabile nelle categorie del ritratto storico e dell’icona venerata. Il ritratto mostra da un lato l’immagine mediata dal ricordo personale e collettivo e diviene modello della produzione successiva; dall’altro aspira ad una particolare venerazione e come 'close-up' si avvicina al tipo dell’icona classica.

In aggiunta alla definizione della funzione della vera effigies come “originale” unico è necessario anche prendere in considerazione il suo potenziale come medium per la riproduzione e la diffusione di ulteriori copie. La riproduzione postuma del quadro di Del Conte non è stata ancora esaminata dal punto di vista storico-critico. La presente ricerca, come si può dedurre, si pone quindi anche il compito di analizzare la situazione delle copie tramandate (dipinti e stampe) tramite il confronto con l’originale di Del Conte, in relazione al loro valore storico di ritratti autentici.

Studien zu den Bildprogrammen der Societas Jesu in Mähren am Beispiel der Kirche und des Kollegs in Olmütz

Katrin Sterba
Dissertationsprojekt an der Universität Innsbruck
(begonnen 2014)

Betreuer:
Prof. Dr. Petr Fidler, Innsbruck/Budweis
Prof. Dr. Jiří Kroupa, Brünn
Prof. Dr. Peter Stephan, Freiburg/Potsdam

Im Jahr 1556 trafen die ersten Jesuiten auf Einladung König Ferdinands I. in Prag ein, um die Rekatholisierung der böhmischen Länder voranzutreiben. Zehn Jahre später kamen die ersten Mitglieder der Gesellschaft Jesu nach Mähren in die Stadt Olmütz/Olomouc, wo sie sich um die Erziehung der zukünftigen Priester und des jungen mährischen Adels kümmern sollten.

Schnell konnten die Jesuiten den Ausbau des Bildungsbetriebs vorantreiben: Im Jahr 1578 entstand in Olmütz das Seminar Collegium Nordicum, das die Aufgabe hatte, Priester und Missionare für die Rekatholisierung Nord- und Osteuropas auszubilden. Dabei wirkten die Jesuiten durchaus erfolgreich: Das ihnen im 16. Jahrhundert überlassene mittelalterliche Minoritenkloster „Beim hl. Franziskus“ mit der gotischen, dreischiffigen Kirche reichte bald nicht mehr aus, um Seminaristen und Gläubige zu fassen. So kam es ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu umfangreichen Um- und Neubauten, an denen viele Künstler beteiligt waren. Die Arbeiten zogen sich bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts und betrafen neben dem Konviktsgebäude auch die Jesuitenkirche.

In den Räumen des ehemaligen Jesuitenkonvikts ist heute nach umfassenden Restaurierungsarbeiten die Universität untergebracht. Dort befinden sich auch die reich ausgestattete Fronleichnamskapelle und im Treppenhaus Überreste von Deckenausmalungen, die an die reiche Ausstattung der Universität Breslau erinnern. Die barocke Bibliothek hat sich leider nicht erhalten. Aber dank der Archivalien im Mährischen Landesarchiv sind wir über deren Existenz sowie auch über die Entstehungsgeschichte des Konvikts unterrichtet.

Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, anhand der künstlerischen Ausstattung und der schriftlichen Quellen die Entstehungsgeschichte des Konvikts in Olmütz zu rekonstruieren und die Ikonographie der Societas Jesu in der Markgrafschaft Mähren zu untersuchen, um Aussagen über deren Selbstverständnis treffen zu können. In diesem Zusammenhang soll im Vergleich auch auf die (ehemaligen) Jesuitenkirchen bzw. von den Jesuiten geförderten Wallfahrtsorte in Böhmen und Mähren eingegangen werden, um die Besonderheiten der jesuitischen Ikonographie in diesen Ländern herauszustellen.

Kontakt: katrin.sterba(at)uibk.ac.at



The Intellectual Networks of Neo-Latin Female Poets
and their Role in the Religious Controversies 
of the Long 17th Century (working title)

Prof. Dr. Sonja Fielitz (Philipps-Universität Marburg), 2014

My project is concerned with the recent scholarly and critical interest in (a) medieval and early modern European vernacular versus Neo-Latin literature tying in with (b) early modern religious discourses. As is well known, in 16th and 17th century Europe, Latin was the lingua franca of the learned world. Latin brought together writers and audiences of different nationa-lities whose tastes, concerns, and backgrounds were similar. Latin could pass over national boundaries without the slightest difficulty, and the number of texts produced in the period proves that its appeal was not only limited to a small intellectual and wealthy elite. But Latin was not only the language of the learned, but also, as I would like to argue, the language of the Church, and here especially the Catholic Church (Protestants much more kept to their vernacular languages), and linguistic choices are highly likely to also carry political and social implications. I will thus trace the significance of early modern Neo-Latin female authors for the religious controversies, and here in particular to the early English Jesuit mission. It is my aim to show that these authoresses played an important role in the religious discourses of the time, and this with a particular focus on the relationship and possible contacts between the British Isle and the Continent. An project like this appears all the more rewarding because "studies of the effects of colonial and postcolonial politics and policies on patterns of literature have led to an awareness that cultural minorities respond to political and social hegemonies in a variety of ways, including assimilation through mimicry, creative trans-cendence that simultaneously affirms the mainstream culture and the minority culture, and writings that are subversive in some way." (Laurie Churchill, Phyllis R. Brown, Jane E. Jeffrey (eds.), Women Writing Latin. From Roman Antiquity to Early Modern Europe, 3 vols, (New York, London: Routledge, 2002), 6).

letzte Aktualisierung am 02.10.2017