Jesuitica e.V.

Eröffnung der "Jesuitenbibliothek Zürich"

Am 1. März wird die "Jesuitenbibliothek Zürich" in neuen Räumen und mit mehr Service für Besucher am Hirschengraben 74 eröffnet. Ab 17 Uhr kann die Bibliothek besichtigt werden, um 19 Uhr beginnt der Festakt im aki (dem Haus der katholischen Hochschulgemeinde) am Hirschengraben 86. Dr. phil. Bettina Spoerri, Leiterin des Aargauer Literaturhauses, spricht über "Die Vision einer perfekten Bibliothek".

In der "Jesuitenbibliothek Zürich" wurden auf 380 Quadratmetern in bester Lage nahe dem Central in Zürich drei Bibliotheken zusammengeführt: diejenige des aki, diejenige der Provinz der Schweizer Jesuiten sowie diejenige des Instituts für weltanschauliche Fragen bzw. der Zeitschrift "Orientierung", die bis 2009 in Zürich herausgegeben wurde. Die Bestände der neuen Bibliothek unter der Leitung von Anita Schraner umfassen aktuell mehr als 100.000 Publikationen und 100 laufende Fachzeitschriften in den Bereichen Theologie und Kulturgeschichte. Der Jesuitenbibliothek ist das Archiv der Schweizer Jesuiten zugeordnet. Alle Publikationen von Ordensangehörigen, die in der Schweiz wirkten oder wirken, werden hier gesammelt. Durch den Beitritt zum nationalen NEBIS-Verbund sind die Bestände im selben Suchkatalog zu finden wie jene der Zentralbibliothek Zürich, der ETH und der Universitätsbibliotheken. In Zusammenarbeit mit dem aki, der katholischen Hochschulgemeinde, bietet die Jesuitenbibliothek auch Veranstaltungen an. Mehr über die neue Bibliothek unter: www.jesuitenbibliothek.ch

Im Rahmen der Neukonzeptionierung der Bibliothek und der Veranstaltungen, welche die Schweizer Provinz der Jesuiten zu den drei R (Reduktionen - Reformation - Ranft) in diesem Jahr durchführt (www.jesuiten.ch), organisierten die Jesuitenbibliothek und das Provinzarchiv in Zürich zusammen mit Prof. Mariano Delgado an der Universität Freiburg/Schweiz eine interdisziplinäre und internationale Fachtagung zu den Jesuitenmissionen in Spanisch-Amerika. Auch einige Mitglieder des Vereins Jesuitica haben als Referentinnen und Referenten an dieser Tagung "250 Jahre nach Aufhebung der Jesuitenmissionen in Spanisch-Amerika (1767): Hintergründe - Forschungsdebatten - neue Perspektiven" teilgenommen (Tagungsbericht). Im Frühjahr 2018 wird in der Freiburger Reihe "Studien zur christlichen Religions- und Kulturgeschichte" der Tagungsband erscheinen. Weitere Tagungsberichte erscheinen Ende 2017 in der Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft und in der Schweizerischen Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte.

Kontakt: Dr. Esther Schmid Heer bibliothek.hel(at)jesuiten.org


P. Dr. Paul Oberholzer SJ hat sich in Fribourg (Schweiz) im Fach Mittlere und Neuere Kirchengeschichte mit "Studien zu den Anfängen der Alten und Neuen Gesellschaft Jesu" habilitiert. Seine Probevorlesung "Die Wahrnehmung des Islam als Religion im lateinischen Mittelalter" fand am 18. Mai 2017 statt. Seitdem ist er als "docente incaricato associato" an der päpstlichen Università Gregoriana in Rom tätig, wo er den Bereich der mittelalterlichen Geschichte vertritt. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Franz Brendle, Tübingen, hält er im September 2017 eine Intensivveranstaltung über die Geschichte der Societas Jesu für Studierende ab.

P. Niccolo Steiner SJ wurde am 2. Februar 2017 von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwigs-Maximilians-Universität München mit der Arbeit "Diego Laínez und Alfonso Salmerón - Zwei Jesuitentheologen auf dem Tridentinum. Ihr Beitrag zur Eucharistie- und Messopferthematik" zum Doktor der Theologie promoviert. Als Doktorvater fungierte der Ordinarius für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, Professor Dr. Franz Xaver Bischof. Die Arbeit wird in dessen Reihe "Münchener Kirchenhistorische Studien" erscheinen. - P. Steiner absolviert derzeit sein Tertiat in Dublin, Irland.


Dr. Rita Haub - Autorin, Historikerin und Rupert-Mayer-Expertin

Ein Nachruf von Peter Hamm und Kai Amelung

Am 8. Januar 2015 verstarb kurz vor Vollendung ihres 60. Lebensjahres völlig unerwartet Frau Dr. Rita Haub, die den Leserinnen und Lesern unseres Magazins durch zahlreiche Beiträge gut bekannt ist. Aufgrund ihrer vielfältigen Forschungen, der von ihr organisierten Ausstellungen und Tagungen sowie ihrer zahlreichen Publikationen zur Geschichte des Jesuitenordens, seiner Heiligen und Seligen, aber insbesondere zu Pater Rupert Mayer SJ war Dr. Haub aber auch weit über die Grenzen Münchens, Bayerns und Deutschlands hinaus bekannt.

Sie widmete unzählige Stunden ihrer Arbeits- und Freizeit, um das herausragende Lebenswerk und Erbe Rupert Mayers SJ zu bewahren und bekannt zu machen. Dazu forschte sie europaweit in Archiven, befragte Zeitzeugen und war stets auf der Suche nach authentischem Bild-, Text- und Tonmaterial sowie persönlichen Gegenständen des Paters. Doch nicht nur als Historikerin, auch als Mensch und gute Katholikin war Rita Haub von Rupert Mayer SJ tief beeindruckt. Seine ganz persönliche Spiritualität und vor allem seine klare Vorstellung vom Christsein, die er manchmal auch sehr direkt formulierte, übten auf sie eine große Faszination aus.

Einen ganz besonderen Stellenwert hatte für sie das Lieblingsgebet von Rupert Mayer SJ. Jeden einzelnen Abschnitt des Gebetes kann man mit Eigenschaften, ja sogar mit dem ganz persönlichen Lebensweg von Dr. Rita Haub in Verbindung bringen.

1. Herr, wie Du willst, soll mir gescheh'n und wie Du willst, so will ich geh'n; hilf Deinen Willen nur versteh 'n!

Rita Haub ging ihren Lebensweg konsequent und folgte ihren persönlichen Fähigkeiten und Neigungen: Kunst, Geschichte und der katholische Glaube prägten ihr Leben von Kindheit an. Sie wuchs in einem humanistisch-musisch geprägten Elternhaus auf, das im Glauben tief verwurzelt war. Sie verstand es, ihr Interesse für Kunst und Geschichte mit diesem Glauben zu verbinden. Auf ihrem persönlichen Lebensweg und bei ihren zahlreichen Buch- und Forschungsprojekten lernte sie Gottes Willen zu verstehen, indem sie viele Zeugen des Glaubens aus dem Dunkel der Vergangenheit in das Licht der Gegenwart zurückholte.

2. Herr, wann Du willst, dann ist es Zeit; und wann Du willst, bin ich bereit, heut und in alle Ewigkeit.

Rita Haub machte sich zu Lebzeiten keine großen Gedanken um ihren eigenen Tod. Sie regelte ihren Nachlass wie Millionen anderer Menschen auch, aber sie war nicht verhaftet in den Gedanken an den Tod. Der Vergangenheit widmete sie ihre ganze berufliche und wissenschaftliche Arbeit, in der Gegenwart stand sie fest im Leben. Sie wusste gut zu leben und legte ihre Zukunft nach dem irdischen Leben mit unerschütterlichem Vertrauen in die Hand Gottes, des himmlischen Vaters, wie sie ihn immer nannte.

3. Herr, was Du willst, das nehm' ich hin und was Du willst, ist mir Gewinn; Genug, dass ich Dein eigen bin.

Rita Haub nahm die Herausforderungen des Lebens so an, wie sie kamen. Bis zum Tod ihrer Mutter fügte sie sich bereitwillig in die Tochterrolle, auch wenn dadurch ihr eigenes Leben mitunter eingeengt wurde. Sie war ein Mensch, der nach Harmonie strebte und auf manche Kränkung im beruflichen und persönlichen Bereich nach außen gelassen und still reagierte, aber im Inneren mit diesen Situationen zu ringen hatte. Doch die Gewissheit, dass Gott bei ihr und mit ihr ist, ließ sie vieles ertragen. Daraus erhielt sie auch die Kraft, ihre schwere Krankheit in den letzten Jahren vor ihrem plötzlichen Tod als Gewinn und Gabe Gottes anzunehmen, der ihr eine ganz eigene, neue Familie geschenkt hatte. In ihrem Ehemann fand sie einen Menschen, der sich aufopfernd um sie kümmerte und sie immer wieder ermutigte, nicht mit ihrem schweren Schicksal zu hadern, sondern mit Gottes Hilfe das Beste aus der Situation zu machen. Ein Geschenk Gottes war für Rita Haub in den letzten Jahren ihres Lebens auch ein kleiner Kreis engster Freunde, bei denen sie Verständnis, Vertrauen und Zuverlässigkeit fand.

Dr. Rita Haub war es genug, dass sie in gewisser Weise ein Kind Gottes war, der treu für sie sorgte und ihr auch in der Not immer wieder Zeugnisse seiner Liebe offenbarte.

4. Herr, weil Du's willst, drum ist es gut; und weil du's willst, drum hab' ich Mut. Mein Herz in Deinen Händen ruht!

Rita Haub war eine mutige Frau, die auch unbequeme und vor allem außergewöhnliche Wege ging. Sie hatte den Mut, Dinge im Leben anzupacken, die komplex waren. Auch aus der Sicht ihrer Freunde wirkten viele berufliche oder private Projekte zunächst ein wenig verquer, um es vorsichtig zu formulieren. Doch sie wusste vor allen anderen, dass sie es schaffen würde, ja dass am Ende alles gut ausgehen werde. Auch hier spielte ihr Glaube eine große Rolle; vor allem aber stellte sie wichtige Vorhaben immer unter den besonderen Schutz der von ihr hoch verehrten Gottesmutter Maria, des heiligen Petrus Canisius SJ und des seligen Rupert Mayer SJ. Viel von ihrer schöpferischen Kraft, von ihrem Ehrgeiz in der Forschung und vor allem von ihrer Ausdauer bei der Umsetzung herausfordernder Projekte erhielt Dr. Rita Haub aus ihrem tiefen Glauben, ohne eine überformte und aufgesetzte Frömmigkeit nach außen zu leben. Die Normalität und Schlichtheit ihres Lebens und ihres Glaubens bezeugte ihr tiefes Gottvertrauen. Sie ließ ihr Herz in Gottes Händen ruhen, denn sie vertraute ihm bedingungslos.

Mit Dr. Rita Haub hat nicht nur die historische Forschung der Gesellschaft Jesu eine engagierte Wissenschaftlerin verloren, sondern auch viele Menschen eine liebe Freundin und Wegbegleiterin. Ihre unkomplizierte, unkonventionelle und humorvolle Art war eine Bereicherung für viele. Ihr tiefer Glaube, ihre innige Beziehung zu Gott, was oft nur dem engsten Freundeskreis und ihrem Ehemann so deutlich offenbar wurde, hat sie zu vielen Wegmarken des Lebens, begleitet, eines erfüllten und außergewöhnlichen Lebens. Ihre treuesten Begleiter waren dabei die Jungfrau Maria, der heilige Petrus Canisius SJ und der selige Rupert Mayer SJ. Auch wenn sie nun nicht mehr unter uns auf Erden sein kann, so bleibt doch neben vielen Aufsätzen und Bücher in unseren Herzen vor allem das, was sie als Menschen ausgemacht hat. Und wir können gewiss sein, dass alles, was Dr. Rita Haub in ihrem irdischen Leben geleistet und hinterlassen hat, immer auf dem Fundament eines tiefen Glaubens aufgebaut war.

Erschienen in: Pater Rupert Mayer SJ, hg. von P. Peter Linster SJ, Heft 217, München 2015, S. 8-10. Für die Homepage bearbeitet von P. Dr. Julius Oswald SJ.

Nachruf auf Dr. Siegfried Hofmann

Jesuitica e.V. und der Historische Verein Ingolstadt trauern um ihr Mitglied Dr. Siegfried Hofmann. Er starb nach längerer Krankheit am Reformationstag des Jahres 2014.

Wer ihn erlebt hat, war fasziniert von seiner Präsenz, dem Fluss seiner Rede, seiner Gedanken und Analysen. Vor den Augen der Zuhörer und Leser entstand ein komplexes historisches Gemälde, das fesselte und staunen ließ. Und es ist schwer vorstellbar, dass dieser Mann nicht mehr auftreten wird, mit bayerisch gefärbter Stimme in weichen und harten Worten Themen erörterte, die ihn beschäftigen: Kultur in ihrer umfassenden Bedeutung, sein Universalthema ohne explizite Differenzierungen in Teilbereiche. Mit einem großen Pinsel zeichnete Siegfried Hofmann die universalen und lokalen Begebenheiten, bettete sie ein in das Gedankengut der damaligen Zeitgenossen, spürte ihren Ideen nach und verdeutlichte viele historische Entwicklungen aus der Kraft der Worte.

In seinem Lebenslauf spiegeln sich die Brüche der Zeit und formten seinen speziellen, distanzierten Blick auf die Geschichte. Das Erleben des Dritten Reiches, seine tiefe Religiosität und die sich daraus entwickelnden Konflikte haben sicher Einfluss gehabt auf seine Zurückhaltung, Themen der Zeitgeschichte in seinen Forschungskanon aufzunehmen. Umso breiteren Raum nahmen die Epochen des frühen bis späten Mittelalters, der frühen Neuzeit in seinem Spektrum ein.

Die Liste seiner Veröffentlichungen ist außergewöhnlich lang. In kaum nachvollziehbaren Dimensionen vollzog sich ein Urkunden- und Aktenstudium der Ingolstädter Geschichte, gemäß dem Motto seines Doktorvaters Hans Rall, dass sich das "erweislich Wahre" nur in den Akten findet. Studium und Analyse der Quellen führten ihn in viele Archive, ließen ihn Einblicke nehmen in vergessene Ereignisse, brachten erstaunliche Querverweise zutage. Das große Ganze und das kleine Detail wurden in seinen Reden und Schriften zu einem schillernden Teppich verwoben.

Siegfried Hofmann kennzeichnete ein universales Wissen und Verstehen aus. Seine Bücherliste war breit gestreut über Lyrik zu Prosa und zeitgenössischen Traktaten. Vor allem die Werke der Jesuiten standen im Vordergrund und das gesamte Wirken dieses Ordens wurde zum Schwerpunkt einer großen Ausstellung und eines fundierten Kataloges.

Eine von uns allen bewunderte Energie feuerte ihn an, bis ins hohe Alter, ja bis kurz vor seinem Tod Forschung zu betreiben, über Fernleihe Bücher zu bestellen und sie sich ins Krankenhaus bringen zu lassen. Im milden Licht seiner großen Schreibtischlampe saß Dr. Hofmann über viele Manuskriptseiten gebeugt. Viele Stapel lagen um ihn herum und er schrieb mit schneller Hand seine berühmten, nur Eingeweihten lesbaren Textseiten, ergänzt und erweitert um kleine Zettel. Erst mit dem Computer und seiner Möglichkeit des Text- und Fußnoteneinfügens trat eine spürbare Erleichterung der Lesbarkeit seiner Schrift ein.

Gerade im Kreise seiner Familie fand Siegfried Hofmann Unterstützung und Förderung bei der Einführung dieser neuen Technologie.

Ein langes und erfülltes Leben hat Siegfried Hofmann durchschritten, voller Höhen und Tiefen. Er konnte mitleiden und mitempfinden, wenn Unrecht oder Unbill geschah. Er konnte aufbrausen und schneidend formulieren. Alles aber im Bewusstsein, für die Erkenntnis und das Verständnis des Menschen und seiner Geschichte tätig zu sein. Wie kaum ein anderer lebte er sein Engagement in einem weiten Radius kompetent und eloquent und zeitaufwändig.

Dr. Beatrix Schönewald
Stadtmuseum Ingolstadt

Werkverzeichnis Siegfried Hofmann

letzte Aktualisierung am 12.07.2018