Deutsche Provinz der Jesuiten

"Der Humor macht das Leben leichter"

P. Walter Rupp SJ (ganz rechts) bei einer Theaterprobe.

Der Jesuit Walter Rupp SJ feiert in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen - seinen 90. Geburtstag und sein 70. Ordensjubiläum. Im Interview spricht der Autor über seine Lebenserfahrungen und dass der Humor, der in der Kirche sonst eher selten ist, Menschen erfreut und überrascht.

Sie haben viele kleine Büchlein mit hintersinnigen Gedanken und Ironie geschrieben. Was bewegte Sie dazu?

Viele suchen heute Entspannung; sie spüren, wie verkrampft sie sind. Ich glaube, dass Humor und Ironie mehr dazu beitragen können als Zen-Übungen oder therapeutische Gespräche.

Woher haben Sie ihren Witz?

Er ist ein Erbstück, das mir meine Eltern hinterlassen haben. Ich habe ihn weiter gepflegt und beim Schreiben zu kultivieren versucht. Der Witz kann krank werden oder früh sterben, wenn man ihn nicht pflegt.

Dieser Humor brachte Ihnen sicher nicht nur Freunde.

Die Leute werden sicher nicht mit Humor verwöhnt (auch nicht durch die Kirche) - und sind deshalb erfreut und überrascht, wenn sie ihm begegnen. Gegen Selbstironie hat niemand etwas einzuwenden, auch nicht gegen Satire, wenn man damit nicht Menschen, sondern Missstände karikiert.

Sie waren ja lange als Studentenseelsorger tätig. Glauben Sie, die Jugend von heute ist für die Kirche "verloren"?

Ich kam mit vielen Jugendlichen zusammen, die auch damals ihre Probleme mit der Kirche hatten, aber ein erstaunliches Vertrauen zu einem Priester und konnte deshalb oft die Kluft überbrücken. Die distanzierte Haltung der Kirche und ihren Vertretern gegenüber wurde so groß, dass sie den Schritt aus den sakralen Räumen in die säkularisierte Umwelt wagen muss.

Wie würden Sie heute auf Jugendliche zugehen? Wie sie neugierig machen?

Das Problem ist doch: Wie weckt man Hungergefühle? Die Nachfrage nach Religion scheint nicht mehr zu bestehen, Religion wird als Luxusartikel angesehen. Aber ich bin überzeugt, dass auch die moderne Jugend auf Dauer nicht so blind sein kann, dass sie die Werte, die das Christentum anzubieten hat, nicht erkennt. Dafür sind allerdings Zeugen nötig, die fähig sind, diese Werte darzustellen.

"Prediger sollten die Rede auf dem Markt erlernen."

Sie haben auch "Mails aus dem Jenseits" geschrieben. Wie können diese Medien für die Verkündigung genutzt werden?

Die Medien sind unverzichtbar: Zeitschriften und Bücher, der Rundfunk und das Fernsehen. Die Prediger werden nur für das Predigen vor dem Ambo geschult, aber nicht für die Rede auf dem Markt. Die gilt es zu erlernen.

Sie waren im Krieg in den Karpaten. Hat Sie diese Erfahrung beeinflusst bei ihrer Entscheidung, in den Orden zu gehen, und warum die Jesuiten und nicht ein anderer Orden?

Das entscheidende Motiv für meinen Ordenseintritt war eine nüchterne Überlegung: Ich wollte einen Beitrag leisten für eine bessere Welt. Die Erfahrungen des Krieges und der Nazizeit haben diese Entscheidung wesentlich beeinflusst. Zu einem beschaulichen Orden fühlte ich mich nie hingezogen. Die Tatsache, dass der Jesuitenorden im Laufe der Geschichte, bis in die neue Zeit hinein, sich in die Händel der Welt einließ und mitmischte, reizte mich.

Zurückblickend auf 70 Ordensjahre: Was waren schöne Erinnerungen?

Die vielen Begegnungen mit interessanten Menschen und die Narrenfreiheit, die mir mein Orden in meiner Tätigkeit für Theateraufführungen und Publikationen gewährte.

Was tut ein bisschen weh?

Vor allem das Gefühl, so vieles nicht oder nicht genug getan zu haben. Da fällt mir vieles ein: unterlassene Besuche, das nicht wache Zuhören oder das Versäumnis, auf andere zuzugehen, und, und, und...

Würden Sie wieder in den Orden eintreten? Warum?

An meiner Berufung hatte ich nie Zweifel, und den Beruf, der mich mehr erfüllt hätte, kann ich mir noch immer nicht vorstellen.

Wie würden Sie um Berufungen werben?

So arbeiten und leben, dass jeder sehen kann: "Dieser Weg ist gut und möglich!", und dass sich der, der sich dafür eignet, die Frage stellt: "Wäre dieser Beruf nicht auch etwas für mich?"

Ein Wunsch für die Zukunft?

Dass ich trotz allem, was noch auf mich zukommt, das Gottvertrauen und den Humor, der mein - und vielleicht auch das Leben anderer - schöner gemacht hat, nicht verliere.

Pater Walter Rupp SJ wurde am 29. September 1926 in Würzburg geboren. Der Fronteinsatz mit Verwundung und amerikanischer Gefangenschaft unterbrach seine Ausbildung. Nach seiner Entlassung studierte er Germanistik und Geschichte, trat dann aber 1946 ins Noviziat der Jesuiten ein. Sein Einsatz im Orden kreiste um die Jugendseelsorge und ums Schreiben. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher sowie Rundfunk-, Fernseh- und Bühnenbeiträge, darunter 1987 zur Seligsprechung Rupert Mayers "Ich schweige nicht" mit Josef Meinrad in der Hauptrolle, zum 500. Geburtsjahr des Ordensgründers "Gottes General". Die Münchner Turmschreiber nahmen ihn 2002 in ihren Kreis auf, 2006 erhielt er den Bayerischen Poetentaler.

letzte Aktualisierung am 31.08.2016